Danmark

28. oktober 2011

IoD: Unsere freie Beurteilung : Tatsächlich das beste Magazin von Wirtschaft in Europa



Handelsblatt

Griechenland selbst rutscht immer tiefer in der Rezession. Die Realwirtschaft lässt sich nicht hebeln. Die Titelgeschichte unserer Wochenendausgabe “Das erschöpfte Land” beschreibt und zeigt auf 22 Sonderseiten, was unsere zwanzigköpfige Reportertruppe und vier Fotografen in Griechenland gehört und gesehen haben.

Sie finden das Porträt eines Landes, dessen Jugend zwischen Aufstand und Ausreise schwankt, dessen Unternehmer sich gegen die Anarchie stemmen, dessen Banker verhindern wollen, dass der Geldkreislauf kollabiert. Wir beschreiben die unglaubliche Geldvernichtung im Gefolge der Olympiade 2004. Wir stellen den griechischen Josef Ackermann vor, der jede Staatsbeteiligung an seinem Institut ablehnt. Und wir zeigen, welche Kronjuwelen das Land trotz alledem besitzt.

Eigentlich sollte 2011 das Triumphjahr von Daimler werden. Doch die Konkurrenz hat nicht geschlafen. Der Vorsprung von Audi gegenüber Mercedes-Benz wächst und wächst – zumindest in Sachen Profitabilität. In den ersten neun Monaten verdiente Mercedes 3,96 Milliarden Euro und erzielte eine Umsatzrendite von 9,4 Prozent, was beachtlich ist. Doch Audi erreicht eine Rendite von 12,2 Prozent, was sensationell ist. Der Grund: Vorsprung durch Kostenmanagement.

Das Wort Krise heißt im Manager-Chinesisch “Herausforderung”. Als Lufthansa-Konzernchef Christoph Franz gestern mit Blick auf 2012 dauernd von Herausforderungen sprach, wusste jeder: Jetzt wird es ernst. Um nur noch vier Prozent vergrößert die Lufthansa ihr Angebot im aktuellen Winterflugplan. Eigentlich sollten es zwölf Prozent sein. Der Konzern drückt auf die Kostenbremse, bevor ihn die tatsächlichen Zahlen dazu zwingen.

Rolf Königs, der Manager und Präsident des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, wird der Steuerhinterziehung verdächtigt. Wie der 70-Jährige dem Handelsblatt auf Anfrage bestätigte, wurden seine Geschäfts- und Privaträume am Donnerstag vor einer Woche von einem Aufgebot der Steuerfahndung durchsucht. Anders als für den Staatsanwalt bedeutet das für uns Normalsterbliche: Bis zum Beweis des Gegenteils gilt die Schuldvermutung.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Länderkollegen können bis 2015 mit rund 40 Milliarden Euro Steuermehreinnahmen rechnen. In dieser Größenordnung dürfte sich die kommende Steuerschätzung bewegen, erfuhr das Handelsblatt aus Schätzerkreisen. Damit könnten Bund und Länder die von Schäuble und Wirtschaftsminister Philipp Rösler geplanten Steuerentlastungen von sechs bis sieben Milliarden Euro ab 2013 problemlos finanzieren. Das Schicksal meint es ausnahmsweise gut mit der FDP.

Auf der Bundesdelegiertenversammlung der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU wird sich CDU-Chefin Angela Merkel heute kritischen Fragen stellen müssen. Die Mittelständler werfen ihr vor, dass sich der Markenkern der CDU miniaturisiert hat. Ihre Beobachtung ist nicht ganz von der Hand zu weisen: Deutschland wird unter Merkels Führung links von Gerhard Schröder regiert. Eine Reformagenda 2020 mag sie nicht vorlegen. Denn vorlegen hieße festlegen.

Ich wünsche Ihnen einen geglückten Start in das Wochenende. Herzlichst Ihr

Gabor Steingart
Chefredakteur